Der Keil – ein Drama in drei Stücken…oder wie ich an eine Werkstatt kam.

Also es gibt da ein Lastenfahrrad und eine 11cm hohe Stufe. Um diese unendlich hohe Hürde ergonomischer zu überwinden, bat mich mein Schwager ihm einen Keil zu bauen.


Für die meisten Männer wäre das kein Problem, aber dazu muss man sagen, dass mein zweiter Schwager ein extrem guter Heimwerker ist und ich mich einfach schon durch die reine Frage, irgendwo zwischen Euphorie, Stolz und Panik befand. Also so eine typische Klausursituation.


Ich halte mich für einen besseren Handwerker, als ich bin.


Ok, an der Arbeit mit Holz hatte ich schon lange Spaß, aber nie wirklich Platz und meine Frau unterstützt mich zwar immer und bedingungslos, aber eine Schreinerei im Esszimmer findet sie nicht so wirklich gut. Wie dem auch sei – einen Leimholzbalken war schnell gefunden. 90mm • 45mm • 1200mm. Genau das richtig Stück

Erstmal habe ich die kleinen Bretter abgemacht und die Nägel rausgezogen. Dabei ist mir direkt ein Splitter im Finger hängen geblieben. Ich habe meinen Schmerz ausnahmsweise mal überspielt.

Jetzt hatte ich also diesen Balken. Meiner Frau musste ich jetzt noch erklären, dass man dieses Holzstück nur mit einer neuen Japansäge sägen könne. Ich denke, sie hat mich durchschaut, wollte mir aber eine Freude machen. Ausgesucht habe ich mir eine Kataba von Zetsaw – Das Teil ist ein Geschenk des Himmels.

Ich wollte gerade anfangen, als ich auf dem Parkplatz vor Haus meinen Vermieter traf. Wir hatten uns eigentlich über meine Tochter unterhalten, als ich mich verabschiedet habe und sowas sagte wie: „Muss schnell hoch, was sägen, bevor meine Tochter schläft“. Mit dem Satz änderte sich etwas – aus dem freundlich distanzierten Gespräch, wurde ein freundschaftliches Fachgespräche über Holz, Metall und das Arbeiten mit den Händen!

Das Ganze gipfelte darin, dass wir in seiner Garage standen, die voll mit Werkzeug und Maschinen steht, von der ich überhaupt nichts wusste. 3 Meter neben meiner Haustür standen also Dickenhobel, Abrichtbank, Tischkreissäge, Bandsäge, Standbohrmaschine und vieles mehr. Plötzlich erschien die Aufgabe einen Keil zu bauen gar nicht mehr so schwer!

Ein paar Tage später fragte ich nach dem Schlüssel und nunja was soll ich sagen.

I got the keys.

Jay-Z

Erstmal den ollen Balken durch den Dickenholbel schieben. 2-3 mal von allen Seiten. Einfach weil ich’s kann. Und mit der Tischkreissäge drei Stücke in der Größe 90mm • 45mm • 260mm abgeschnitten. Kurz noch am Tellerschleifer Stop gemacht und hoch auf den Balkon um die drei Stücke zu Verleimen. Auf meiner kleinen Klappwerkbank habe ich den Block verspannt und dann doch mit meiner neuen Kataba diagonal zersägt. Nach dem erneuten Abschleifen und Entgraten, konnte ich das Ganze sogar noch mit etwas Osmo Hölzöl streichen, das in einer Ecke der Garage stand.

So gut wie jeder wird jetzt sagen, ich hätte doch nur nen Keil abgesägt und da habt ihr Recht, aber für mich war es mehr. Ich bin meinem Traum von einer eigenen Werkstatt etwas näher gekommen!

Ach…Mein Schwager…ja stimmt da war was. Der hat sich gefreut, dass er jetzt nen Keil hat.

In diesem Sinne – Frohes Schaffen

2 Antworten zu „Der Keil – ein Drama in drei Stücken…oder wie ich an eine Werkstatt kam.“

  1. Einer der schönsten Keile den die Welt jeh gesehen hat und wahrscheinlich für immer gesehen haben wird!

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  2. Avatar von Staubprinzessin
    Staubprinzessin

    ich bestelle einen solchen Keil in kleiner, weil ich mit meinem Mini-Vorderrad vom Lastenrad schon an einer kleineren um-die-Ecke-ohne-Schwung-Kante scheitere und den selbstgebastelten Keil aus drei aneinandergeschraubten Dreikantleisten es nach nichtmal einem Jahr witterungsbedingt zerlegt hat 🙂
    ich träume weiter von einer Werkstatt und finde den Sharing-Gedanken da so überaus wertvoll, man muss aber eben den Nutzern vertrauen können, sind ja wertvolle Geräte…

    Gefällt 1 Person

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